Wenn sich 16 500 Mitglieder der rotarischen Familie aus mehr als 140 Ländern versammeln, verwandelt sich eine kanadische Grossstadt in ein globales Ideenlabor – so geschehen im Juni an der Rotary International Convention in Calgary. Fünf Tage lang drehte sich dort alles um Frieden, Partnerschaft und die Frage, wie Rotary auch in Zukunft wirksam bleibt.
Egal, ob in Houston, Hamburg oder Atlanta, es gehört inzwischen einfach dazu: mein kleines, ganz persönliches Convention-Quiz. Kaum aus dem Flieger gestiegen, kommt automatisch die Frage auf: Wer ist wohl diesmal das erste bekannte Gesicht? Das Rennen in Calgary machte PDG Urs Herzog aus der Schweiz; ihm rannte ich auf dem Weg zur Registrierung sprichwörtlich in die Arme. Gleich darauf winkte Rotary-Generalsekretär John Hewko, gefolgt von Nathalie Huyghebaert aus Belgien, die seit dem Rotary Institute auf Sizilien regelmässig «aufploppt». So beginnt für mich jede Convention: mit dem kleinen Glück des Wiedersehens – und dem grossen Gefühl, Teil eines weltumspannenden Netzwerks zu sein.
Wenige Stunden später dann die offizielle Eröffnung. «Magic All Around» war das Jahresmotto von Präsidentin Stephanie A. Urchick, und auch in Calgary lag in diesen Tagen eine besondere Energie in der Luft. Urchick betrat den Scotiabank Saddledome, prall gefüllt mit rund 8000 Gästen, stilecht im Western-Outfit, und sie sprach von der «grössten Familienzusammenführung seit Covid». In ihrer Eröffnungsrede erinnerte sie an Rotarys zentrale Stärke: «In einer gespaltenen Welt haben wir die Kraft und die Verantwortung, Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen zusammenzubringen.»
Und tatsächlich: Die rotarische Familie war allgegenwärtig, auf den Strassen Calgarys, im House of Friendship, bei Ausstellungen, Diskussionen und Abendveranstaltungen. Ein besonderes Highlight war die Flaggenparade: ein sichtbares Zeichen globaler Präsenz und zugleich Spiegel weltpolitischer Spannungen, mit verhaltenem Applaus bei einigen Nationen und tosendem Beifall bei anderen.
Zu den prominentesten Stimmen an der Convention gehörten die Oscar-Preisträgerin Geena Davis, WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus und Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman. Davis sprach über die Darstellung von Frauen in den Medien und den Mut, seine Stimme zu erheben, insbesondere für Mädchen. Ghebreyesus betonte den Zusammenhang von Gesundheit und Frieden: «Eines ist ohne das andere nicht denkbar.» Karman erinnerte daran, wie wichtig Pressefreiheit und Bildung für eine gerechte Gesellschaft sind.