Willkommensbrief DG Urs F. Meyer

Mittwoch, 1. Juli 2026

Urs F. Meyer

Liebe rotarische Familie des Distrikts 1980

Am 1. Juli hat das neue Rotaryjahr begonnen. In den Clubs übernehmen neue Amtsträgerinnen und Amtsträger Verantwortung, und auch im Distrikt beginnt mit dem neuen Governorjahr ein neues Kapitel. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe – und vor allem auf die vielen Begegnungen mit Ihnen in den Clubs.

Bereits am PELS in Solothurn durfte ich die übernehmenden Präsidentinnen und Präsidenten kennenlernen. Ich habe dort viel Engagement, Vorfreude und Verantwortungsbewusstsein gespürt.

Ein wichtiger Gedanke begleitet mich dabei besonders: Rotary lebt vom jährlichen Wechsel der Funktionen – aber ebenso von Kontinuität. Schon im Amtsjahr von DG John Manning wurde die Governorstaffel eng in wichtige Entscheide einbezogen. Dadurch konnten John und ich vieles früh abstimmen. Das laufende Rotaryjahr soll deshalb nicht bei null beginnen, sondern auf dem aufbauen, was bereits angedacht und aufgegleist wurde.

Ein zentrales Thema ist dabei die «3-Jahresplanung». Anlässlich meiner Clubbesuche möchte ich mit den Präsidien das Planungstool und die längerfristige Planung von Ämtern und Aktivitäten diskutieren. Ziel ist nicht zusätzliche Administration, sondern Entlastung: Wer früh weiss, welche Aufgaben anstehen, kann Verantwortung besser verteilen, Nachfolgen rechtzeitig klären und Engagement neben Familie, Beruf und weiteren Verpflichtungen besser planbar machen.

Zur Zukunftsfähigkeit unserer Clubs gehört auch die Mitgliederentwicklung. Das Durchschnittsalter der Clubmitglieder im Distrikt 1980 liegt bei über 62 Jahren. Wenn Rotary auch in Zukunft lebendig und wirksam bleiben soll, müssen wir jüngere Menschen für unsere Werte und für unser Engagement gewinnen. Das bedeutet nicht, Bewährtes leichtfertig aufzugeben. Es bedeutet aber, ehrlich hinzuschauen: Wie wirkt unser Clubleben auf Menschen, die mitten im Berufs- und Familienleben stehen? Welche Formen von Begegnung, Engagement und Verantwortung passen zur heutigen Generation? Und wo können wir offener, flexibler und zugänglicher werden? Andere Länder zeigen, was geschehen kann, wenn diese Fragen zu lange unbeantwortet bleiben. In England haben sich gewisse Rotaryclubs stark in Richtung traditioneller Herrenclubs entwickelt und finden kaum noch neue Mitglieder. Rotary kann dort mancherorts nur noch durch Neugründungen weiterbestehen. Das kann nicht unser Ziel sein. Umso wichtiger ist es, dass sich die Clubs im Distrikt bewusst Zeit nehmen, ihre eigene Strategie mit dem Lebensbild heutiger Generationen zu vergleichen und daraus konkrete Wege für die Zukunft abzuleiten.

Auch die Ereignisse der letzten Monate haben gezeigt, weshalb Rotary gebraucht wird. Die Katastrophen in Blatten und Crans-Montana haben deutlich gemacht, dass staatliche Hilfe allein nicht immer genügt. Eine der grossen Stärken von Rotary ist die spontane, unbürokratische und persönliche Unterstützung von Menschen in Not. Damit solche Hilfe möglich ist, braucht es aber auch die notwendigen Mittel. Hier spielt die Rotary Foundation eine zentrale Rolle. Wenn Rotarierinnen und Rotarier jährlich einen Beitrag an die Foundation leisten – im Sinne von EREY, «Every Rotarian Every Year» –, fliesst nach drei Jahren ein bedeutender Teil dieser Mittel (47%) zurück in den Distrikt und kann gezielt für Projekte eingesetzt werden. Damit dieser Mechanismus und die vielfältigen Möglichkeiten der Foundation in den Clubs präsent bleiben, wünsche ich mir für dieses Jahr, dass die Foundationverantwortlichen in den Clubs Gelegenheit erhalten, ihr Wissen in einem Vortrag oder Beitrag weiterzugeben.

Wirkung entsteht aber nicht nur durch finanzielle Mittel, sondern auch durch Zusammenarbeit. Vor Kurzem durfte mein Club den Chef der Armee, Korpskommandant Benedikt Roos, als Referenten begrüssen. Rund 90 Mitglieder folgten seinen spannenden Ausführungen zu unserer Landesverteidigung. Dass so viele Zuhörerinnen und Zuhörer anwesend waren, lag daran, dass drei regionale Clubs gemeinsam eingeladen hatten. Ein ähnliches Bild zeigte sich am letzten Poliotag: Drei Clubs aus der Region Solothurn betrieben gemeinsam einen Stand und konnten dadurch mehr Menschen erreichen, als dies einzeln möglich gewesen wäre. Solche Beispiele zeigen eindrücklich, was clubübergreifende Zusammenarbeit bewirken kann. Deshalb möchte ich in diesem Jahr ausdrücklich dazu ermuntern, wiederum gemeinsame Projekte und Anlässe über Clubgrenzen hinweg zu prüfen. Gemeinsam werden Ideen grösser, sichtbarer und wirkungsvoller.

Ein besonderes Anliegen ist mir schliesslich unser Distriktprojekt ROMI, die Rotary Mental Health Initiative. Dieses Governorprojekt wurde anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Rotary Schweiz angestossen und wird im Distrikt 1980 weitergeführt. Die psychische Gesundheit junger Menschen ist eine der grossen Herausforderungen unserer Zeit. Orientierungslosigkeit, Zukunftsängste, Rückzug und auch suizidale Krisen zeigen, wie wichtig frühes Erkennen, professionelle Unterstützung und tragfähige Netzwerke sind. Der von den drei Schweizer Distrikten gegründete Verein ROMI (verein-romi.ch) ist ganz im rotarischen Sinn langfristig ausgerichtet und will ein breites Netz an Hilfe und Unterstützung aufbauen. Das Projekt befindet sich in der Pilotphase und braucht weiterhin unsere rotarische Unterstützung – fachlich, ideell und finanziell.

All diese Themen haben einen gemeinsamen Kern: Rotary soll wirken – langfristig, sichtbar und nahe bei den Menschen. Das gelingt, wenn wir Verantwortung frühzeitig planen, neue Generationen ansprechen, unsere Mittel gezielt einsetzen, über Clubgrenzen hinweg zusammenarbeiten und in der Öffentlichkeit sichtbar werden.

Das Redaktionsteam hat Ihnen im Anschluss weitere interessante Neuigkeiten zusammengestellt. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre und freue mich sehr auf die kommenden Treffen in den Clubs und bei vielen anderen Gelegenheiten.

Herzlich,

Euer DG Urs F. Meyer