Liebe
rotarische Familie des Distrikts 1980
Am 1. Juli hat
das neue Rotaryjahr begonnen. In den Clubs übernehmen neue Amtsträgerinnen und
Amtsträger Verantwortung, und auch im Distrikt beginnt mit dem neuen
Governorjahr ein neues Kapitel. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe – und vor
allem auf die vielen Begegnungen mit Ihnen in den Clubs.
Bereits am
PELS in Solothurn durfte ich die übernehmenden Präsidentinnen und Präsidenten
kennenlernen. Ich habe dort viel Engagement, Vorfreude und
Verantwortungsbewusstsein gespürt.
Ein wichtiger
Gedanke begleitet mich dabei besonders: Rotary lebt vom jährlichen Wechsel der
Funktionen – aber ebenso von Kontinuität. Schon im Amtsjahr von DG John Manning
wurde die Governorstaffel eng in wichtige Entscheide einbezogen. Dadurch
konnten John und ich vieles früh abstimmen. Das laufende Rotaryjahr soll
deshalb nicht bei null beginnen, sondern auf dem aufbauen, was bereits
angedacht und aufgegleist wurde.
Ein zentrales
Thema ist dabei die «3-Jahresplanung». Anlässlich meiner Clubbesuche möchte ich
mit den Präsidien das Planungstool und die längerfristige Planung von Ämtern
und Aktivitäten diskutieren. Ziel ist nicht zusätzliche Administration, sondern
Entlastung: Wer früh weiss, welche Aufgaben anstehen, kann Verantwortung besser
verteilen, Nachfolgen rechtzeitig klären und Engagement neben Familie, Beruf
und weiteren Verpflichtungen besser planbar machen.
Zur
Zukunftsfähigkeit unserer Clubs gehört auch die Mitgliederentwicklung. Das
Durchschnittsalter der Clubmitglieder im Distrikt 1980 liegt bei über 62
Jahren. Wenn Rotary auch in Zukunft lebendig und wirksam bleiben soll, müssen
wir jüngere Menschen für unsere Werte und für unser Engagement gewinnen. Das
bedeutet nicht, Bewährtes leichtfertig aufzugeben. Es bedeutet aber, ehrlich
hinzuschauen: Wie wirkt unser Clubleben auf Menschen, die mitten im Berufs- und
Familienleben stehen? Welche Formen von Begegnung, Engagement und Verantwortung
passen zur heutigen Generation? Und wo können wir offener, flexibler und
zugänglicher werden? Andere Länder zeigen, was geschehen kann, wenn diese
Fragen zu lange unbeantwortet bleiben. In England haben sich gewisse
Rotaryclubs stark in Richtung traditioneller Herrenclubs entwickelt und finden
kaum noch neue Mitglieder. Rotary kann dort mancherorts nur noch durch
Neugründungen weiterbestehen. Das kann nicht unser Ziel sein. Umso wichtiger
ist es, dass sich die Clubs im Distrikt bewusst Zeit nehmen, ihre eigene
Strategie mit dem Lebensbild heutiger Generationen zu vergleichen und daraus
konkrete Wege für die Zukunft abzuleiten.
Auch die
Ereignisse der letzten Monate haben gezeigt, weshalb Rotary gebraucht wird. Die
Katastrophen in Blatten und Crans-Montana haben deutlich gemacht, dass
staatliche Hilfe allein nicht immer genügt. Eine der grossen Stärken von Rotary
ist die spontane, unbürokratische und persönliche Unterstützung von Menschen in
Not. Damit solche Hilfe möglich ist, braucht es aber auch die notwendigen
Mittel. Hier spielt die Rotary Foundation eine zentrale Rolle. Wenn
Rotarierinnen und Rotarier jährlich einen Beitrag an die Foundation leisten –
im Sinne von EREY, «Every Rotarian Every Year» –, fliesst nach drei Jahren ein
bedeutender Teil dieser Mittel (47%) zurück in den Distrikt und kann gezielt
für Projekte eingesetzt werden. Damit dieser Mechanismus und die vielfältigen
Möglichkeiten der Foundation in den Clubs präsent bleiben, wünsche ich mir für
dieses Jahr, dass die Foundationverantwortlichen in den Clubs Gelegenheit
erhalten, ihr Wissen in einem Vortrag oder Beitrag weiterzugeben.
Wirkung
entsteht aber nicht nur durch finanzielle Mittel, sondern auch durch
Zusammenarbeit. Vor Kurzem durfte mein Club den Chef der Armee, Korpskommandant
Benedikt Roos, als Referenten begrüssen. Rund 90 Mitglieder folgten seinen
spannenden Ausführungen zu unserer Landesverteidigung. Dass so viele
Zuhörerinnen und Zuhörer anwesend waren, lag daran, dass drei regionale Clubs
gemeinsam eingeladen hatten. Ein ähnliches Bild zeigte sich am letzten Poliotag:
Drei Clubs aus der Region Solothurn betrieben gemeinsam einen Stand und konnten
dadurch mehr Menschen erreichen, als dies einzeln möglich gewesen wäre. Solche
Beispiele zeigen eindrücklich, was clubübergreifende Zusammenarbeit bewirken
kann. Deshalb möchte ich in diesem Jahr ausdrücklich dazu ermuntern, wiederum gemeinsame
Projekte und Anlässe über Clubgrenzen hinweg zu prüfen. Gemeinsam werden Ideen
grösser, sichtbarer und wirkungsvoller.
Ein besonderes
Anliegen ist mir schliesslich unser Distriktprojekt ROMI, die Rotary Mental
Health Initiative. Dieses Governorprojekt wurde anlässlich des Jubiläums 100
Jahre Rotary Schweiz angestossen und wird im Distrikt 1980 weitergeführt. Die
psychische Gesundheit junger Menschen ist eine der grossen Herausforderungen
unserer Zeit. Orientierungslosigkeit, Zukunftsängste, Rückzug und auch
suizidale Krisen zeigen, wie wichtig frühes Erkennen, professionelle
Unterstützung und tragfähige Netzwerke sind. Der von den drei Schweizer
Distrikten gegründete Verein ROMI (verein-romi.ch) ist ganz im rotarischen Sinn
langfristig ausgerichtet und will ein breites Netz an Hilfe und Unterstützung
aufbauen. Das Projekt befindet sich in der Pilotphase und braucht weiterhin unsere
rotarische Unterstützung – fachlich, ideell und finanziell.
All diese
Themen haben einen gemeinsamen Kern: Rotary soll wirken – langfristig, sichtbar
und nahe bei den Menschen. Das gelingt, wenn wir Verantwortung frühzeitig
planen, neue Generationen ansprechen, unsere Mittel gezielt einsetzen, über
Clubgrenzen hinweg zusammenarbeiten und in der Öffentlichkeit sichtbar werden.
Das
Redaktionsteam hat Ihnen im Anschluss weitere interessante Neuigkeiten
zusammengestellt. Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre und freue mich sehr
auf die kommenden Treffen in den Clubs und bei vielen anderen Gelegenheiten.
Herzlich,
Euer DG Urs F.
Meyer