RC Redliwil - Rotarische Höflichkeit

Dienstag, 20. Februar 2024

Rot. Alexander Hoffmann

Lange galt für rotarische Anlässe im RC Redliwil das sogenannte rotarische Ausgleichsgesetz. Viele Rotarierinnen und Rotarier, die zugesagt hatten, erschienen gleichwohl nicht. Doch dafür kamen viele, die nicht zugesagt hatten. Doch zuletzt funktionierte das Gesetz nicht mehr, bis Veranstaltungsbeginn war oft völlig unklar, wer von den Mitgliedern tatsächlich erscheinen würde.

Der Wirt in Gasthof Wohlfahrt nahm sich Präsident Georges Bräker zur Brust: «So kann kein Gastronom kalkulieren. Wenn das so weiter geht, mache ich nicht mehr den Gastgeber für Ihren Club.»

In der nächsten Vorstandssitzung klagte Bräker: «Offenbar sind viele bei uns nicht in der Lage, sich verbindlich zu äussern.» Wenn eine Einladung rausging, kam meist ein «weiss noch nicht» oder ein «schaun mer mal» zurück. Clubsekretär Hans Tgetgel pflichtete dem Präsidenten bei: «die wollen sich alle Optionen offenhalten.»

Absagen, so sie denn überhaupt kamen, erfolgten oft, wenn die Veranstaltung schon lief. Dann wurde per Whatsapp auf plötzliches Zahnweh verwiesen, auf die überraschende Erkrankung der Erbtante oder die unvermutete Sperrung des Gotthard-Tunnels.

«So geht das nicht weiter», entschied Bräker und bat einen rotarischen Freund, beim Einladungswesen die Zügel anzuziehen. Es war Staatsanwalt Franz Schnyder, der sich mit Verve an die Arbeit machte. Fortan erfolgten rotarische Einladungen nur noch mit Einschreiben und Empfangsschein. Wer zusagte, aber dann doch nicht erschien, dem wurde wegen Vertragsbruchs eine heftige Konventionalstrafe in Aussicht gestellt. Nur mit Mühe konnte Bräker Schnyder daran hindern, bei mehrfachen Verstössen eine Gefängnisstrafe anzudrohen.

Doch das alles ging schief. Die Clubmitglieder waren so erschrocken, dass überhaupt keines mehr zusagte.

Bräker dachte nach, dann hatte er einen Einfall. «Ich plane eine kleine Lehrstunde in Sachen Verbindlichkeit als Akt der Höflichkeit», kündigte er Tgetgel an. Für ein Meeting in vier Wochen liess er den Auftritt von Mamma Anna Mia ankündigen, den neuen Star einer Schweizer Telenovela. Als Leckerbissen versprach Bräker, bei ihrem Besuch werde eine Tombola organisiert, der Gewinner dürfe einen kleinen Auftritt in der nächsten Folge der Telenovela haben und so zu seinen fünf Minuten Berühmtheit kommen.

Der komplette RC Redliwil sagte zu. Nur Tgetgel wusste, dass der Besuch des Stars frei erfunden war.

An besagtem Abend tummelten sich die Rotarierinnen und Rotarier erwartungsvoll in der Heidistube. Wer nicht erschien, war der Star. Nach einer Stunde verkündete Präsident Bräker der düpierten Gesellschaft: «Tja, wirklich schade. Und sie hat nicht mal abgesagt.»

Symbolbild. Bild: RazorMax via pixabay.com