Rotary zwischen Tradition und Erneuerung

söndag 2 augusti 2026

Urs F. Meyer

Der August steht bei Rotary International im Zeichen der Mitgliedschaft und der Entwicklung unserer Clubs. Das passt gut zum Beginn eines neuen Rotaryjahres. Viele Vorstände haben ihre Arbeit aufgenommen, erste Programme sind geplant, und in den Clubs stellt sich immer wieder die Frage: Wie bleiben wir als Rotary lebendig, attraktiv und wirkungsvoll?

Mitgliedschaft ist dabei weit mehr als eine Zahl. Natürlich braucht Rotary eine starke Mitgliederbasis, damit Projekte getragen, Ideen umgesetzt und Verantwortung geteilt werden können. Aber im Kern geht es um etwas anderes: um Menschen, die sich verbunden fühlen, gerne zusammenkommen und bereit sind, sich für andere einzusetzen. Ein Club ist dann stark, wenn aus Begegnung Vertrauen entsteht – und aus Vertrauen gemeinsames Handeln.

«Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland», schrieb Jeremias Gotthelf. Auf Rotary übertragen heisst das für mich: Die Wirkung von Rotary beginnt im Club. Dort werden Werte gelebt, Freundschaften gepflegt, neue Ideen geboren und Verantwortung weitergegeben. Wenn unsere Clubs lebendig sind, können sie auch nach aussen leuchten.

Das Durchschnittsalter der Clubmitglieder im Distrikt liegt bei rund 62 Jahren. Diese Zahl soll uns nicht beunruhigen, aber sie darf uns zum Nachdenken anregen. Viele von uns fühlen sich jung, aktiv und mitten im Leben – und genau diese Haltung ist wertvoll. Gleichzeitig verändern sich die Lebensrealitäten jüngerer Generationen. Berufliche Belastung, Familie, Mobilität, digitale Kommunikation und neue Formen von Engagement prägen ihren Alltag. Der klassische Vereinsgedanke ist für viele nicht mehr selbstverständlich.

Darin liegt eine wichtige Aufgabe, aber auch eine grosse Chance. Wenn wir jüngere Menschen für Rotary gewinnen möchten, müssen wir unsere Werte nicht verändern. Freundschaft, Integrität, Dienstbereitschaft und Verantwortung sind zeitlos. Entscheidend ist vielmehr, wie diese Werte heute erlebbar werden. Wie offen wirken unsere Clubs auf Interessierte? Welche Formen von Mitwirkung ermöglichen wir? Wie können neue Mitglieder rasch Anschluss finden? Und wie gelingt es, Verantwortung so zu gestalten, dass sie mit Beruf, Familie und weiteren Verpflichtungen vereinbar bleibt?

Ein gesunder Generationenmix ist für Rotary zentral. Er verbindet Erfahrung mit neuen Perspektiven, Verlässlichkeit mit frischen Ideen und Tradition mit Weiterentwicklung. Es geht also nicht darum, jung gegen alt auszuspielen. Es geht darum, Clubkultur bewusst zu gestalten: so, dass sich langjährige Mitglieder weiterhin zuhause fühlen und neue Mitglieder spüren, dass sie willkommen sind und etwas beitragen können.

Auch unser Distriktprojekt ROMI, die Rotary Mental Health Initiative, zeigt, dass Rotary junge Menschen und ihre Lebensrealität ernst nimmt. ROMI sensibilisiert Eltern und Lehrpersonen für psychische Belastungen Jugendlicher und möchte dazu beitragen, Unterstützung früher möglich zu machen. Wer Fachwissen, Kontakte oder Möglichkeiten zur Unterstützung einbringen kann, ist herzlich eingeladen, sich beim Projektteam zu melden. Weitere Informationen finden sich unter www.verein-romi.ch sowie auf der Distriktwebseite rotary1980.ch.

Wie Clubentwicklung konkret angegangen werden kann, zeigt der Bericht des RC Entlebuch in diesem Newsletter. Der Club hat einen Zukunftsworkshop durchgeführt und sich bewusst mit Mitgliedergewinnung und Clubentwicklung auseinandergesetzt. Solche Beispiele machen Mut. Sie zeigen, dass Veränderung nicht mit grossen Worten beginnen muss, sondern mit ehrlichen Fragen, guten Gesprächen und der Bereitschaft, voneinander zu lernen. Gute Ideen darf man bei Rotary bekanntlich jederzeit übernehmen.

Ich wünsche euch einen guten Start in den August, inspirierende Gespräche in euren Clubs und Freude daran, Rotary gemeinsam weiterzuentwickeln – mit Wertschätzung für das, was gewachsen ist, und mit Offenheit für das, was entstehen darf.

Euer DG
Urs F. Meyer