Der August steht bei Rotary International im Zeichen der
Mitgliedschaft und der Entwicklung unserer Clubs. Das passt gut zum Beginn
eines neuen Rotaryjahres. Viele Vorstände haben ihre Arbeit aufgenommen, erste
Programme sind geplant, und in den Clubs stellt sich immer wieder die Frage:
Wie bleiben wir als Rotary lebendig, attraktiv und wirkungsvoll?
Mitgliedschaft ist dabei weit mehr als eine Zahl. Natürlich
braucht Rotary eine starke Mitgliederbasis, damit Projekte getragen, Ideen
umgesetzt und Verantwortung geteilt werden können. Aber im Kern geht es um
etwas anderes: um Menschen, die sich verbunden fühlen, gerne zusammenkommen und
bereit sind, sich für andere einzusetzen. Ein Club ist dann stark, wenn aus
Begegnung Vertrauen entsteht – und aus Vertrauen gemeinsames Handeln.
«Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland»,
schrieb Jeremias Gotthelf. Auf Rotary übertragen heisst das für mich: Die
Wirkung von Rotary beginnt im Club. Dort werden Werte gelebt, Freundschaften
gepflegt, neue Ideen geboren und Verantwortung weitergegeben. Wenn unsere Clubs
lebendig sind, können sie auch nach aussen leuchten.
Das Durchschnittsalter der Clubmitglieder im Distrikt liegt
bei rund 62 Jahren. Diese Zahl soll uns nicht beunruhigen, aber sie darf uns
zum Nachdenken anregen. Viele von uns fühlen sich jung, aktiv und mitten im
Leben – und genau diese Haltung ist wertvoll. Gleichzeitig verändern sich die
Lebensrealitäten jüngerer Generationen. Berufliche Belastung, Familie,
Mobilität, digitale Kommunikation und neue Formen von Engagement prägen ihren
Alltag. Der klassische Vereinsgedanke ist für viele nicht mehr selbstverständlich.
Darin liegt eine wichtige Aufgabe, aber auch eine grosse
Chance. Wenn wir jüngere Menschen für Rotary gewinnen möchten, müssen wir
unsere Werte nicht verändern. Freundschaft, Integrität, Dienstbereitschaft und
Verantwortung sind zeitlos. Entscheidend ist vielmehr, wie diese Werte heute
erlebbar werden. Wie offen wirken unsere Clubs auf Interessierte? Welche Formen
von Mitwirkung ermöglichen wir? Wie können neue Mitglieder rasch Anschluss
finden? Und wie gelingt es, Verantwortung so zu gestalten, dass sie mit Beruf,
Familie und weiteren Verpflichtungen vereinbar bleibt?
Ein gesunder Generationenmix ist für Rotary zentral. Er
verbindet Erfahrung mit neuen Perspektiven, Verlässlichkeit mit frischen Ideen
und Tradition mit Weiterentwicklung. Es geht also nicht darum, jung gegen alt
auszuspielen. Es geht darum, Clubkultur bewusst zu gestalten: so, dass sich
langjährige Mitglieder weiterhin zuhause fühlen und neue Mitglieder spüren,
dass sie willkommen sind und etwas beitragen können.
Auch unser Distriktprojekt ROMI, die Rotary Mental Health
Initiative, zeigt, dass Rotary junge Menschen und ihre Lebensrealität ernst
nimmt. ROMI sensibilisiert Eltern und Lehrpersonen für psychische Belastungen
Jugendlicher und möchte dazu beitragen, Unterstützung früher möglich zu machen.
Wer Fachwissen, Kontakte oder Möglichkeiten zur Unterstützung einbringen kann,
ist herzlich eingeladen, sich beim Projektteam zu melden. Weitere Informationen
finden sich unter www.verein-romi.ch
sowie auf der Distriktwebseite rotary1980.ch.
Wie Clubentwicklung konkret angegangen werden kann, zeigt
der Bericht des RC Entlebuch in diesem Newsletter. Der Club hat einen
Zukunftsworkshop durchgeführt und sich bewusst mit Mitgliedergewinnung und
Clubentwicklung auseinandergesetzt. Solche Beispiele machen Mut. Sie zeigen,
dass Veränderung nicht mit grossen Worten beginnen muss, sondern mit ehrlichen
Fragen, guten Gesprächen und der Bereitschaft, voneinander zu lernen. Gute
Ideen darf man bei Rotary bekanntlich jederzeit übernehmen.
Ich wünsche euch einen guten Start in den August,
inspirierende Gespräche in euren Clubs und Freude daran, Rotary gemeinsam
weiterzuentwickeln – mit Wertschätzung für das, was gewachsen ist, und mit
Offenheit für das, was entstehen darf.
Euer DG
Urs F. Meyer